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Newspaper review of the concert at the jazz festival of Oberkochen "MARIA : GOOD AS GOLD"
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Ein goldrichtiger Geheimtipp
Die hierzulande eher unbekannte Sängerin Maria Markesini beeindruckte das Jazz Lights-Publikum
Sie flüstert und fleht. Sie gurrt und wispert. Tonperlen wie aus Glas kullern aus ihrer Kehle – Maria Markesinis Stimme ist eine musikalische Wundertüte. Als Geheimtipp haben die Oberkochener Jazz- Lights-Macher die Sängerin angekündigt. Ihr Auftritt mit den Klazz Brothers in der fast ausverkauften Zeiss-Kulturkantine machte klar – der Tipp ist goldrichtig.
Dagmar Oltersdorf

Die gebürtige Griechin und in den Niederlanden lebende Maria Markesini zeigte
zusammen mit den Klazz Brothers, dass man mit Crossover das Publikum immer noch überraschen kann. (Foto: Oliver Giers)
Drei drehen an Fortunas Rad. Der Orff-Klassiker. Dutzend Mal gehört. Diesmal neu, improvisiert, kaum erkennbar. Es sind nur ein Kontrabass und ein Piano, die unaufhörlich ihrer Bestimmung entgegenstreben. Womöglich war es ja auch das Schicksal, das die in Griechenland geborene Sängerin Maria Markesini und die Klazz Brothers zusammengeführt hat. Wenn, dann hat es das einzig Richtige getan. Die vier sind aus einem Guss. Mit ungebremstem Spaß am gemeinsamen Spiel und ganz besonderen Interpretationen zahlreicher Filmhits haben sie am Freitagabend zusammen das Publikum in Oberkochen bezaubert.
Doch bevor der Zauber wirkt, muss ein Funke gesetzt werden. Es gelingt den Klazz Brothers gleich zu Beginn auch ohne Zutun ihrer Sängerin mit Beethovens Neunter. Zart, melancholisch, nur Bruno Böhmer Camacho mit behutsamer Hand am Piano, Kilian Forster verhalten am Kontrabass und Drummer Tim Hahn, der sein Schlagwerk höchstenfalls streichelt. Die Bühne ist in blaues Licht getaucht und als der letzte Ton verklingt, hat nicht nur Forster geschlossene Augen, sondern auch so mancher in den Reihen vor ihm. Kurz darauf ist es wohl besser, dass man sie wieder aufschlägt. 
Forster kündigt Maria Markesini als die „hübscheste und griechischste“ mit einem „Jetzt ist es soweit“ an und die zierliche Sängerin mit der roten Lockenmähne schickt sich zugleich an, zumindest Letzteres sogleich selbst unter Beweis zu stellen. Als Bruno Böhmer Camacho „Ein Schiff wird kommen“ am Piano anstimmt, mäkelt sie, das sei viel zu „latin“ und setzt sich flugs selbst ans Klavier. Ton um Ton purzelt von den Tasten, während sich auch die Stimme der Konzertpianistin Markesini ihren Weg bahnt. Dann steht sie wieder auf, geht in die Knie, sucht Kontakt zum Publikum, bevor sie das nächste Lied anstimmt. Ihre Tiefe scheint sie dabei direkt aus dem Bauch zu holen, bei den Höhen greift sie in die Luft, als ob sie die Töne geradewegs vom Himmel pflücken kann. Sie zischt, heult und brummt, experimentiert mit ihrer Stimme, die
mitunter so ätherisch klinkt, als ob sie direkt aus dem All zu kommen scheint. Sie beweist, dass sie es tatsächlich beherrscht, klassisch zu scatten und reiht als Operndiva ganz nach Jazzvorbild schnell sinnlose Silben aneinander, um kurz darauf wieder mit völlig klarer Stimme einen Charme wie einst Judy Garland zu verbreiten. Verabschieden aber tut sie sich bei ihrer zweiten Zugabe mit einem Song, mit dem schon eine andere zierliche Person ihr Publikum in den Bann zog. Mancinis „Moonriver“ von 1961 aus „Frühstück bei Tiffany“.
Charmant, exklusiv, elegant. Goldrichtig.